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»Diese Zahlen nicht auszuwerten, wäre eine grobe Pflichtverletzung.« Ex-Krankenkassenvorstand im Gespräch

Andreas Schöfbeck, damals Vorstand der BKK Provita, verfasste Anfang 2022 eine Analyse, die auf ein Risikosignal bei den mRNA-Impfungen hinwies. Daraufhin wurde er fristlos entlassen.

Am 21. Februar 2022 schrieb Andreas Schöfbeck, der damalige Vorstand der Krankenkasse BKK Provita, einen offenen Brief an das Paul-Ehrlich-Institut und andere Gremien und Verbände. Aufgrund des vermehrten Auftretens von Nebenwirkungen nach der neuartigen Corona-Impfung ließ er vom Datenanalysten Tom Lausen eine Untersuchung von knapp elf Millionen Datensätzen durchführen. Er wollte anhand der Abrechnungsdaten herausfinden, ob Menschen nach der Corona-Impfung vermehrt zum Arzt gehen. Damals schrieb er: »Die unserem Haus vorliegenden Daten geben uns Grund zu der Annahme, dass es eine sehr erhebliche Untererfassung von Verdachtsfällen für Impfnebenwirkungen nach der Corona-Impfung gibt.«

Die Analyse, die er intern mehrfach prüfen ließ, kam zu einem besorgniserregenden Schluss: »Hochgerechnet auf die Anzahl der geimpften Menschen in Deutschland bedeutet dies, dass circa 4–5 % der geimpften Menschen wegen Impfnebenwirkungen in ärztlicher Behandlung waren.«

Im Gespräch mit Schöfbeck zeichnet dieser die Geschehnisse rund um die Veröffentlichung seines Alarmsignals nach. Nachdem ein Artikel über seine Analysen in DIE WELT erschienen war, meldete sich schließlich das Paul-Ehrlich-Institut. Es wurde eine Videokonferenz terminiert. Auf Bitte von Herrn Schöfbeck sollte auch der damalige PEI-Präsident, Professor Klaus Cichutek, daran teilnehmen. Doch kurz vor dem Termin beschloss der Verwaltungsrat der Krankenkasse auf einer plötzlich einberufenen Mitgliederversammlung, Schöfbeck fristlos zu entlassen. Daher kam es nie zu einer Diskussion zwischen dem PEI und Schöfbeck über die von ihm vorgelegten Zahlen.

Laut Schöfbeck hat eine spätere Auswertung der Techniker Krankenkasse mit rund elf Millionen Versicherten seine Zahlen ebenfalls bestätigt. Auch die im Jahr 2022 veröffentlichten Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) seien laut Schöfbeck »auf die gleichen Werte gekommen«. Dies behauptet Schöfbeck in einem aktuellen Interview mit dem Journalisten Volker Rekittke beim Online-Magazin Multipolar.

Damals tat Schöfbeck das, was das PEI seit Herbst 2020 eigentlich gesetzlich tun muss. Gemäß Infektionsschutzgesetz muss es die Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigung auswerten und für die Sicherheitsüberwachung der Corona-Impfkampagne nutzen. Dieser Pflicht ist das Institut bis heute – also 4,5 Jahre nach Schöfbecks offenem Brief an die Behörde – nicht nachgekommen. Im Interview mit mir fragt Schöfbeck, wie es sein kann, dass niemand für diese Pflichtverletzung die Verantwortung trägt. Bis heute hat es keine inhaltliche Auseinandersetzung mit seinen Analysen gegeben.

Zum Abschluss unseres Gesprächs geht es um die Frage, wie ein Gesundheitssystem aus Schöfbecks Sicht aussehen würde, das die Gesundheit der Menschen in den Mittelpunkt stellt.


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