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Wie geht Friedenstüchtigkeit?

Ich spreche mit dem Journalisten Fabian Scheidler über die Strategien der Eliten, Kriegstüchtigkeit in der Bevölkerung zu bewirken, sowie über Wege in eine friedensfähige Gesellschaft.

»Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu erschaffen« lautet der Untertitel von Fabian Scheidlers Buch »Friedenstüchtig«. Darin beschreibt er wiederkehrende politische Instrumente, um die Bevölkerung auf einen Feind einzuschwören. Für die dann politisch vorgegebene Bekämpfung dieses Feindes verlangen die Regierenden einen regelrechten Opferkult. Laut Scheidler wird bei der derzeit massiv voranschreitenden Aufrüstung in Deutschland und der EU der »Sozialstaat geschreddert«. Die Bevölkerung muss in Form von schlechter ausgestatteten Schulen und sinkenden Sozialleistungen opfern, um die neue Gefahr abzuwenden. Dabei kommt vor allem eine »Politik der Angst« zur Anwendung, die Putin beispielsweise mit Hitler gleichsetzt und eine völlig irrationale Prognose eines Einmarschs Russlands in die NATO als Schreckensszenario entwirft. Scheidler beschreibt dieses Instrument der Angsterzeugung in seinem Buch anhand verschiedener geopolitisch extrem wichtiger Ereignisse.

Von den Terroranschlägen am 11. September 2001 über die Corona-Politik bis hin zum Ukrainekrieg legt Scheidler das Instrumentarium für Kriegstüchtigkeit offen und liefert damit eine wichtige Vogelperspektive auf einzelne Krisen, die mehr miteinander zu tun haben, als auf den ersten Blick erkennbar ist. All diesen Narrativen ist eine Kriegsrhetorik gemein, die nur in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse unterteilt und keinen Platz mehr für Schattierungen und Grautöne lässt. Laut Scheidler liegt jedoch in den Schattierungen die Möglichkeit des Friedens.

Damit sind die Interessenlagen der Konfliktparteien, die Hintergründe der aktuellen Krise und der historische Kontext gemeint. Für all das, so die Meinung der Kriegstüchtigkeitsmacher, sei aufgrund der vermeintlich immanenten Gefahr keine Zeit.

Dabei würden existenzielle Krisen wie die Klimakrise vergessen, so Scheidler. Diese ist aufgrund eines überwältigenden Konsenses in der Wissenschaft nicht mit der Corona-Politik vergleichbar, sodass Sorgen um unverhältnismäßige Grundrechtseinschränkungen hier weniger gerechtfertigt sind. An diesem Punkt gehen unsere Einschätzungen im Interview jedoch ein wenig auseinander.

Zum Abschluss des Gesprächs geht es um meinen persönlichen Lieblingssatz in Scheidlers Buch. Er lautet wie folgt: »Führende Politiker wirken zunehmend so, als seien sie aus einem Clown-Workshop oder einer Nervenheilanstalt entlaufen.«

Warum die Mehrheit der Bevölkerung diesen Menschen weiterhin Macht verleiht und inwiefern sich die Demokratie vertiefen müsste, um solch destruktive Dynamiken zu beheben, ist vielleicht eine der zentralen Fragen rund um die Friedensfähigkeit einer Gesellschaft.


Weitere Interviews ermöglichen:

  • Produktionskosten: ca. 1700 €

  • Produktion: https://www.screen-talk.de

  • Bastian Barucker, GLS Bank, IBAN: DE02 4306 0967 1115 7847 01, BIC: GENODEM1GLS

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  • Betreff: Schenkung

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