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Journalist über Gaza, Staatsräson und Deutschlands verklärten Blick auf Israel

Im Gespräch mit Hanno Hauenstein geht es um Journalismus, den Gaza-Krieg, die Besetzung des Westjordanlands sowie den verklärten Blick Deutschlands auf Israel.

Der Völkermord in Gaza schreitet voran und Deutschland beteiligt sich weiterhin an dem Vorgehen der israelischen Regierung seit dem Terroranschlag der Hamas am 7. Oktober 2023, bei dem zahlreiche Zivilisten getötet und Kriegsverbrechen begangen wurden. Aktuell läuft vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag ein von Nicaragua angestrengtes Verfahren gegen Deutschland wegen des Verdachts der Beihilfe zum Völkermord. Gleichzeitig liefert Deutschland jedoch weiterhin Waffen nach Israel. Ein aktueller Bericht der Recherchegruppe Forensic Architecture fasst den Umfang wie folgt zusammen: „Deutschland erteilte im Jahr 2023 Waffenexportgenehmigungen im Wert von rund 326,5 Millionen Euro (ab Oktober 2023), im Jahr 2024 im Wert von 163,8 Millionen Euro, im Jahr 2025 im Wert von 201,6 Millionen Euro und in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 im Wert von 799,3 Millionen Euro.”

Gleichzeitig schreitet die Annexion des Westjordanlands durch Siedler, unterstützt durch die israelische Armee, weiter. Auch hier gibt es von deutscher Seite keine offiziellen Einwände.

Ich spreche mit dem freien Journalisten und Autor Hanno Hauenstein, der regelmäßig für verschiedene Zeitungen schreibt, über seine Reportagen, den Völkermord in Gaza und den Blick Deutschlands auf Israel. Er hat selbst in Israel gelebt und studiert, die Westbank mehrfach besucht und sich auch nach dem Terroranschlag dort aufgehalten. Durch diese Besuche hat er eine Entwicklung durchgemacht und seine vorher eher verklärte Sicht auf das Land verändert.

Deutschland hat aufgrund des Holocausts eine besondere Verbindung zu Israel. Politisch umschrieben wird diese Haltung in Deutschland als sogenannte Staatsräson. Aus psychologischer Sicht spielt dabei auch die historische Schuld eine Rolle. Diese kann einen realistischen Blick auf die Verhältnismäßigkeit des israelischen Vorgehens seit dem 7. Oktober 2023 einschränken.

In einem sehr spannenden Gespräch mit Hanno Hauenstein spanne ich den größeren Bogen. Wir sprechen unter anderem darüber, wie er selbst für eine sachliche und ausgewogene Berichterstattung zum Thema Gaza und Israel sorgt. Außerdem geht es um die Frage, inwiefern die israelische Bevölkerung das Vorgehen der Regierung unterstützt und warum die mediale Aufmerksamkeit für den Krieg in Gaza in Deutschland stetig nachlässt.

Auch aus diesem Grund habe ich Hanno Hauenstein eingeladen: um die Aufmerksamkeit auf ein Thema zu richten, das bei genauerem Hinsehen schwer zu ertragen ist. Genau darum geht es zum Schluss unseres Gesprächs: um das Ertragen der teils grauenhaften Augenzeugenberichte von Ärzten aus Gaza. Der Impuls, wegzuschauen, liegt nahe, aber er verwehrt uns die Erkenntnis einer historischen Bankrotterklärung sogenannter westlicher Werte und ihrer Institutionen. Laut Hauenstein hat das einen massiven Vertrauensverlust zur Folge. Hoffnung schöpft er aus den vielen Gesprächen mit jungen Menschen, die gut über die Kriegsverbrechen in Gaza informiert sind und sich aktiv für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen.

Es war ein durchaus berührendes Gespräch.


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