Cichutek tätigt Aussagen mit Sprengkraft im U-Ausschuss in Thüringen
Zum ersten Mal muss der ehemalige PEI-Präsident Prof. Klaus Cichutek in einem Untersuchungsausschuss Fragen rund um die Corona-Impfkampagne und die Rolle des Paul-Ehrlich-Instituts beantworten.
Am 30. Juni 2026 kam der Corona-Untersuchungsausschuss in Thüringen zusammen. Im Erfurter Landtag fand an diesem Tag hinsichtlich der Corona-Aufarbeitung eine Premiere statt. Der ehemalige Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, war während des gesamten Corona-Geschehens zum ersten Mal als Zeuge geladen. Das PEI ist die Bundesoberbehörde, die für die Überwachung der Sicherheit der Corona-Impfkampagne verantwortlich war. Es war außerdem an der Zulassung der neuartigen, sogenannten Corona-Impfstoffe beteiligt und wertete die Verdachtsfälle von Nebenwirkungen aus. Bundesweit beziehen sich Gerichte bei Rechtsstreiten rund um Haftungsfragen bei Impfschäden auf die Einschätzungen des PEI. Dem PEI kommt also, ähnlich dem Robert-Koch-Institut (RKI) eine zentrale Rolle im gesamten Corona-Geschehen zu.
Das PEI sorgte jedoch von Anfang an aufgrund vermehrter Intransparenz und der jahrelangen Nichtveröffentlichung relevanter Daten für Schlagzeilen. Gleichzeitig beteuerte es immer wieder, die Impfstoffe und deren Sicherheit würden sorgfältig und nach bestem Wissen und Gewissen überprüft. Nun gab es erstmals die Möglichkeit, den damals zuständigen Präsidenten des PEI zu befragen. Vor dem Ausschuss gleicht Cichuteks Zeugenaussage einer einzigen Selbstbeweihräucherung ohne jegliche Selbstkritik. Er stellte jedoch eine Vielzahl von Behauptungen auf, deren Wahrheitsgehalt höchst fragwürdig ist. Das ist bei einer Zeugenaussage vor einem Untersuchungsausschuss jedoch keine Lappalie. Er leugnete die Untererfassung von Impfnebenwirkungen, ohne dies belegen zu können, und traf möglicherweise fachlich falsche Aussagen zu immunologischen Grundlagen rund um Corona. Zudem äußerte er sich höchst fragwürdig zur Risiko-Nutzen-Analyse eines Corona-Impfstoffs und konnte nicht beantworten warum im PEI Jahre lang keine Protokolle angelegt wurden.
Außer der AfD ermöglichen es fast alle anderen Fraktionen, dass die enorme Einseitigkeit seiner Aussagen bestehen bleibt, weil kaum kritische Nachfragen gestellt werden und die anwesenden Abgeordneten wahrscheinlich nicht über das ausreichende Hintergrundwissen verfügen, um die eklatanten Versäumnisse der Bundesbehörde anzusprechen. Das liegt auch daran, dass alle Parteien außer der AfD die Corona-Impfkampagne fast uneingeschränkt unterstützt haben. Eine fundierte Auseinandersetzung mit seinen Aussagen in Erfurt lohnt sich trotzdem.
Cichutek kam nicht allein. Direkt neben ihm saß der Anwalt Dr. Wolfram Hertel von der Wirtschaftskanzlei Raue aus Berlin als Zeugenbeistand. Diese Kanzlei wurde auch damals vom Robert-Koch-Institut (RKI) beauftragt, die umfangreichen Schwärzungen in den freigeklagten Protokollen des Corona-Krisenstabes vorzunehmen. Auch ein Mitarbeiter der ehemaligen Dienstaufsicht von Cichutek war anwesend, ein Mitarbeiter aus dem Bundesgesundheitsministerium. Nach einer Einweisung durch die Vorsitzende und dem Hinweis, dass Falschaussagen oder das Verschweigen von Tatsachen strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können, begann die Befragung des Zeugen. Das Bundesgesundheitsministerium, also Cichuteks damaliger Dienstherr, hatte dem Ausschuss zuvor mitgeteilt, dass für ihn eine Aussagegenehmigung erteilt wurde. Da das Erstellen von Audio- und Videoaufnahmen verboten ist, ist eine Berichterstattung nur durch persönlichen Besuch des Landtages und Mitschreiben der Aussagen möglich. Im Gegensatz zur Enquetekommission können falsche Aussagen also erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. Aus diesem Grund erfolgt eine sehr detailgetreue Berichterstattung der zentralen Aussagen des ehemaligen PEI-Präsidenten.
Nach der Einführung begann die Zeugenaussage mit einer Stellungnahme von Prof. Cichutek. Zunächst gab er einen Überblick über seine Karriere und stellte die Aufgaben und die Geschichte des PEI vor. Anschließend folgte eine generelle Einschätzung zur Arbeit des PEI während der Corona-Krise. Cichutek betonte: «Ich glaube, dass wir als Paul-Ehrlich-Institut zur schnellen Entwicklung und Zulassung sowie zur Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe insbesondere beigetragen haben – und das unter Einhaltung aller gebotenen Sorgfalt. Das möchte ich hier betonen.»
Diese Einschätzung wird Cichutek im Verlaufe der knapp 2,5 Stunden mehrmals äußern. Laut Cichutek haben seine Mitarbeiter auch Weihnachten und andere Feiertage ignoriert, um «dafür zu sorgen, dass alles regelgerecht passiert». Bezug nehmend auf die regelmäßig erscheinenden Sicherheitsberichte für die Corona-Impfstoffe, die das PEI herausgibt, behauptet Cichutek, dass diese anfänglich wöchentlich erschienen sind und die Perioden danach etwas länger wurden. Wie lange diese sind, sieht man, wenn man die Veröffentlichungen der einzelnen Berichte nachverfolgt. Dort ist deutlich zu erkennen, dass die Zeitabstände regelmäßig ein bis mehrere Monate betragen. Der vorletzte Bericht erschien am 29. Juni 2023, der abschließende Bericht, auf den sich Cichutek mehrfach beziehen wird, hingegen erst im März 2025 – knapp 22 Monate später.
Außerdem behauptete Cichutek vor dem Ausschuss, dass es seit 2024 «keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich der tatsächlichen Nebenwirkungen» der Impfstoffprodukte gebe. Am Ende seines Vortrags bezog er sich auf die ehemaligen Gesundheitsminister Lauterbach und Spahn und dankte namentlich einer langen Liste von Wissenschaftlern des Paul-Ehrlich-Instituts und der Bundesregierung. Kritik an seinem ehemaligen Vorgesetzten ist nicht zu vernehmen.
Fremdschutz
Die erste Frage von Lena Saniye Güngör (Die Linke), der Vorsitzenden, bezog sich auf den während des Coronageschehens verwendeten Begriff des Fremdschutzes. Sie wollte wissen, ob dieser im PEI Anwendung fand. Cichutek gab an, dass die Begriffe «Fremdschutz» und «Selbstschutz» nicht üblicherweise verwendet werden. Laut Cichutek komme es vor allem darauf an, dass die Impfstoffe qualitativ hochwertig und sicher sind. Doch seit Beginn der Corona-Impfkampagne gibt es Zweifel an der Sorgfalt des PEI bei der Überprüfung. Hier spielt der Impfstoff AstraZeneca eine bedeutsame Rolle, der im Laufe der Befragung noch stärker in den Fokus rückte. Der SWR berichtete im Mai 2021: «Forschende um Professor Stefan Kochanek, Leiter der Abteilung Gentherapie der Ulmer Universitätsmedizin, hatten drei Chargen des Astrazeneca-Impfstoffs unter anderem mit biochemischen Methoden untersucht. Dabei fiel auf, dass darin Eiweiße enthalten waren, die nicht zum Impfstoff gehörten. Mehr als die Hälfte davon waren menschlichen Ursprungs.» Der Bericht deckt auf, dass zwei Drittel der in den Impfstoffdosen enthaltenen Stoffe dort nicht enthalten sein dürfen. Wie konnten so stark verunreinigte Impfstoffe überhaupt in Umlauf geraten, obwohl das PEI angeblich dafür sorgt, dass die Impfstoffe qualitativ hochwertig sind?
Doch kommen wir zurück zur Debatte über den Fremdschutz. Die Zulassungsstudien der Corona-Impfstoffe und der damit verbundene Wirksamkeitsnachweis bezogen sich auf symptomatische Corona-Infektionen, insbesondere auch auf schwere Verläufe, so Cichutek.
Hinsichtlich des Infektionsschutzes von Dritten, also des sogenannten Fremdschutzes, sei dies in den Zulassungsstudien oft eine «sekundäre Erwägung, ein sekundäres klinisches Prüfungsziel» gewesen. «Das heißt, die Impfstoffe wurden von vornherein so entwickelt, dass sie vor Krankheit schützen. Das ist übrigens bei allen Impfstoffen so.»
Laut dem Biostatistiker und ehemaligen Harvard-Professor Martin Kulldorff waren die Zulassungsstudien aber gar nicht darauf ausgelegt, festzustellen, ob die Impfstoffe die Übertragung verringern,» Diese Einschätzung bestätigte auch der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn in der Enquetekommission des deutschen Bundestages im Dezember 2025. Der Immunologe Andreas Radbruch und der österreichische Public-Health Experte Martin Sprenger äußerten sich wie folgt dazu: «Bei den Zulassungsstudien wurde die Reduktion symptomatischer Ansteckungen gemessen, allerdings nicht, ob Geimpfte auch weniger ansteckend sind. Keine Zulassungsbehörde hat irgendeinem Corona-Impfstoff bescheinigt, dass er das Übertragungsrisiko reduziert.» Selbst Pfizer räumte in einer Anhörung im EU-Parlament ein, dass der Impfstoff nie auf die Übertragbarkeit des Virus getestet wurde.
Eine Nachfrage zu mobilen Impfteams ließ Cichutek unbeantwortet, da diese nicht in den Zuständigkeitsbereich des PEI fallen. Anschließend folgte die Befragung durch die Fraktionen, beginnend mit der AfD.
Das Astrazeneca-Debakel
Cichutek ist stolz darauf, «dass das PEI als eines der ersten die Sinusvenenthrombosen als schwerwiegende Nebenwirkungen der Adenovektor-Covid-Impfstoffe entdeckt hat.» Damit meint Cichutek den für sein schlechtes Sicherheitsprofil bekannten Astrazeneca-Impfstoff. Laut Cichutek zeige das, wie aufmerksam die Wissenschaftler des PEI in der Corona-Zeit agiert haben und wie gut das System funktioniert. Seiner Einschätzung nach habe man damals sehr schnell auf Risiken reagiert. Richtigerweise konfrontiert die AfD in einer Fragerunde Cichutek mit dem tatsächlichen Ablauf des Geschehens. Dieser zeigt aber, dass tatsächlich Länder wie Dänemark, Island und Norwegen die Richtung vorgaben und daher die Impfung mit diesem Produkt schon am 11. März 2021 ausgesetzt hatten. In Deutschland gab es bereits Mitte Februar 2021 mehrfach Berichte über alarmierende Zahlen von Krankmeldungen nach der Impfung mit Astrazeneca.
Das PEI ging sogar auf die Warnungen aus Dänemark ein und sah am 11. März 2021 noch keinen Anlass die Astrazeneca-Impfkampagne in Deutschland auszusetzen. Auch die EMA beschwichtigte noch am selben Tag. Das PEI wartete jedoch bis zum 15. März 2021 bis sie die Aussetzung der Impfung empfahl. Als die Impfungen am 19.03.21 trotz des gravierenden Risikosignals der Hirnvenenthrombosen überstürzt wieder aufgenommen wurden, veröffentlichte die Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung eine Stellungnahme und teilte mit, dass der Mechanismus, der Thrombosen auslöst, aufgeklärt sei. Außerdem wurde in der Stellungnahme festgehalten, dass die Zahl der Sinusthrombosen inzwischen auf 13 Fälle angestiegen war (gegenüber einem erwartbaren Fall).
Das PEI habe laut Cichutek «zusammen mit Bundesgesundheitsministerium ein Expertengremium zusammengerufen» und die Beobachtungen potentieller Risiken durch Astrazeneca «nach Europa getragen». Damit meint Cichutek, den Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Arzneimittelsicherheit (PRAC) der EMA. Dieser spielt eine zentrale Rolle bei der Sicherheitsüberwachung der Impfstoffe in Europa. Anscheinend war der Nutzen dieses Impfstoffes gar nicht so eindeutig. Cichutek führt diesbezüglich Folgendes aus: «Im europäischen System hätte auch entschieden werden können, dass vielleicht die Nutzen-Risiko-Analyse nicht stimmt, aber ich bitte in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass wir in einer Frühphase der Pandemie waren, in der sehr viele Menschen verstorben sind an Covid.»
Hängt die Beurteilung der Wirksamkeit eines Impfstoffs nicht nur von den Ergebnissen der Zulassungsstudien, sondern auch vom Sterbegeschehen in der Bevölkerung ab? Erstens gab es im gesamten ersten Coronajahr kein auffälliges Sterbegeschehen. Zweitens sollte ein Impfstoff doch an sich ein günstiges Risiko-Nutzen-Profil aufweisen, damit er zugelassen wird. Dies hatte Cichutek am 16.03.21 auch gegenüber WELT genauso mitgeteilt.
Am 18. März 2021 wurde der Impfstoff in Deutschland wieder freigegeben. In den Protokollen des Corona-Krisenstabes des RKI finden sich einen Tag später Vermerke zum Geschehen rund um Astrazeneca. Dort ist von «viel Aufregung generell» die Rede. Außerdem halten die RKI-Experten fest, dass die Ständige Impfkommission (STIKO) «überlegt, ob bei diesem Signal gewisse Personengruppen lieber mit einem mRNA-Impfstoff geimpft werden sollten». Gleichzeitig wird vermerkt, dass «dies jedoch kommunikativ und bezüglich der Akzeptanz schwierig ist». Es ist von «intensiven internen Diskussionen» die Rede.
Bezüglich der Arbeit des PEI protokollieren die Mitglieder des RKI-Krisenstabes ein enorm hohes Aufkommen an Nebenwirkungsmeldungen: «Das PEI hatte am Montag 1600 Meldungen, die individuell abgearbeitet werden müssen. Dies liegt möglicherweise an der erhöhten Aufmerksamkeit. Das PEI und die Pharmakovigilanzstellen kommen nicht gut hinterher.» Das PEI ist also mit der Auswertung von Verdachtsfällen überfordert – und trotzdem wird die AstraZeneca-Impfkampagne in Deutschland fortgeführt, während andere europäische Länder den Impfstoff komplett vom Markt nehmen.
In einer weiteren Fragerunde fragt die AfD, warum es bis Ende März 2021, also über zwei Wochen, gedauert hat, bis die Astrazeneca-STIKO-Impfempfehlung auf über 60-Jährige eingeschränkt wurde. Das PRAC habe entschieden, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis weiterhin günstig ist. Warum es zwei Wochen dauerte, kann Cichutek heute nicht mehr rekapitulieren. Seiner Meinung nach wurde sehr schnell und tief in den Daten gebohrt.
Später stellte die AfD-Fraktion diesbezüglich fest, dass die Sicherheitsbedenken bezüglich AstraZeneca nicht ursprünglich vom Paul-Ehrlich-Institut, sondern aus Skandinavien kamen. Laut Cichutek habe man sowohl in Dänemark als auch im PEI Sinusvenenthrombosen beobachtet. Er betont erneut, dass das Spontanmeldesystem «gut geeignet ist, um auch sehr seltene Risiken von Impfstoffen sehr früh aufzudecken». Durch eine angeblich schnelle Änderung der Impfempfehlung durch die STIKO konnte laut Cichutek dafür gesorgt werden, dass das Problem der Sinusvenenthrombosen nur in geringem Maße auftrat. Letztendlich resultierten laut offiziellen Angaben aus den AstraZeneca-Gerinnungskomplikationen jedoch bis Mai 2023 200 nachgewiesene Todesfälle in Europa.
Der PRAC-Ausschuss brauchte dann drei Wochen länger als die Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung, um einen kausalen Zusammenhang zwischen der Astrazeneca-Impfung und sehr seltenen Fällen ungewöhnlicher Blutgerinnsel zu bestätigen. Am Beispiel von AstraZeneca wird deutlich, wie viel Zeit verstreichen kann, bis das PEI und die EMA auf Risikosignale reagieren.
Trotzdem behauptete Cichutek im Untersuchungsausschuss: «Wir haben alle unsere Informationen über die Sicherheit der Impfstoffe der Bevölkerung und den Fachkreisen sehr schnell kommuniziert über Presse, Funk und Fernsehen und die Sicherheitsberichte.»
Dass dem aber nicht so war, zeigt auch der Umgang des PEI mit den Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach mRNA-Impfung, die erst im Juli 2021 via Rote-Hand-Brief kommuniziert wurden, obwohl Signale aus Israel seit Monaten vorlagen.
Die Daten der kassenärztlichen Vereinigung
Als Nächstes geht es im Untersuchungsausschuss um die gemäß Infektionsschutzgesetz vorgeschriebene Auswertung der Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen durch das PEI. Die AfD-Fraktion möchte konkret wissen, ob diese Daten für die Impfstoffüberwachung von Bedeutung sind.
Cichutek zufolge sind diese Daten ein «zusätzlicher, wichtiger Beitrag, um Risiken zu erkennen oder zu erhärten». Allerdings wollte nur eine Krankenkasse die Daten zur Verfügung stellen. Cichutek wünscht sich die notwendigen digitalen Voraussetzungen dafür, dass bei kommenden Pandemien dieser Datentransfer schneller geschehen kann. «Bis zum Ende meiner Amtszeit bestand das Problem, diese Daten dem PEI zu überlassen», so Cichutek.
Auf die Frage, warum die erste Übertragung dieser Daten erst im vierten Quartal 2024 stattfand, antwortete Cichutek, die Beteiligten hätten nicht zugestimmt, am Datentransfer teilzunehmen, und die Daten seien digital nicht zugänglich gewesen. Laut Cichutek habe das PEI «sehr nachgehakt», um diese Daten zu erhalten. Man sei mit dem bereits vorhandenen System jedoch «sehr gut aufgestellt». Zusätzliche Daten seien jedoch immer nützlich, um eine bessere Evidenzlage zu haben, so Cichutek. Wie gut oder schlecht das vorhandene Meldesystem funktioniert, wird in einer späteren Fragerunde noch thematisiert.
In einem Schreiben vom 6. Juli 2021 an das Gesundheitsministerium hatte das PEI noch anders argumentiert. Dort hieß es bezüglich der Bedeutung der Daten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV): «Um die Sicherheit pandemischer Impfstoffe suffizient beurteilen zu können, benötigt das PEI das Pseudonym geimpfter Personen. Dies ermöglicht eine Auswertung von KV-Daten sowie die Sekundärdatenanalyse von Krankenkassendaten für die Zwecke der Pharmakovigilanz, sofern gezeigt werden kann, dass das Pseudonym zur Auswertung dieser Datenquellen geeignet ist. Ist dies nicht der Fall, ist eine umfassende Beurteilung der Sicherheit der COVD-19-Impfstoffe auf Basis deutscher Daten nicht möglich.»
Diese Daten sind also von elementarer Bedeutung und nicht, wie Cichutek dem Untersuchungsausschuss weißmachen will, nur eine nette zusätzliche Evidenz. Der Journalist Volker Rekittke, der die gesetzeswidrige Nichtauswertung der Daten mitverfolgt hat, bezeichnet das Geschehen als «Behördenversagen» und einen «Totalausfall Impfstoffsicherheit»
Auf die Frage, ob in den Sicherheitsberichten des PEI erwähnt wurde, dass die für die Sicherheitsbewertung als relevant eingeschätzten Daten der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) nicht ausgewertet wurden, kann sich Cichutek nicht erinnern. Auf die Frage, ob er die Öffentlichkeit, den Bundestag und das Gesundheitsministerium darüber informiert habe, dass die KV-Daten nicht ausgewertet wurden, antwortet Cichutek, dass das PEI nur dem Gesundheitsministerium gegenüber berichtspflichtig ist und dass anderweitige Anfragen beantwortet wurden. Das PEI hat also nicht proaktiv und öffentlich darauf hingewiesen, dass die gesetzlichen Vorschriften, die eine solide Risikoeinschätzung der Impfstoffe ermöglichen sollen, nicht eingehalten wurden.
Auf die Frage, ob er seine Bewertung der Impfstoffe unter Einbezug der KV-Daten ändern würde, antwortete Cichutek, dass er die Daten nicht eingesehen habe. Er fügte hinzu, dass man aufgrund der schnellen Verimpfung von so vielen Impfstoffdosen sehr viel im Detail über ihre Wirkungsweise und ihre Risiken wisse.
Frau Muhsal von der AfD will wissen, inwiefern Cichutek «Druck gemacht habe», um der gesetzlichen Pflicht zur Auswertung der kassenärztlichen Daten nachzukommen. Nach einem kurzen «Nein» erläutert Cichutek auf Nachfrage mehrere Versuche, mit der Vereinigung zu reden und «auf politischem Wege positiv Einfluss zu nehmen». Konkreter wird er leider nicht.
Das Spontanmeldesystem
Wie sieht es mit dem seit Jahren bestehenden Spontanmeldesystem für Verdachtsfallmeldungen aus, das von Ärzten, Betroffenen und Angehörigen genutzt wird und laut Cichutek gut funktioniert? Ärzte sind sogar verpflichtet, Verdachtsfälle von Impfnebenwirkungen zu melden. Im Rechtsstreit um die Daten der SafeVac2.0-App traf das PEI jedoch eine Aussage über dieses System und seine Qualität, die dem widerspricht, was Cichutek im Thüringer Landtag behauptet. Vor Gericht behauptet das PEI nämlich: «[W]ie auch das Spontanmeldesystem dient die SafeVac 2.0-Studie nicht dazu, konkrete Häufigkeiten des Auftretens von Nebenwirkungen zu ermitteln. Dies ist Sinn und Zweck von klinischen Prüfungen mit kontrollierten, randomisierten und verblindeten Designs. Es ist allenfalls die Erkennung von Trends möglich.«
Laut Cichutek gab es jedoch während der Coronazeit eine sehr hohe Aufmerksamkeit sowohl in der Bevölkerung als auch bei Ärzten. Es seien «viel mehr Verdachtsfallmeldungen» eingegangen, so Cichutek. Mithilfe quantitativer und qualitativer Analysen werden diese Meldungen dann genutzt, um «herauszufiltern, welche möglichen Nebenwirkungen die Impfstoffe haben». Laut Cichutek habe dies hervorragend funktioniert, und Cichutek betont ein weiteres Mal, dass das PEI mit diesem System sehr gut aufgestellt sei.
Wortwörtlich sagt er: «Das Spontanmeldesystem, gekoppelt mit entsprechenden weitergehenden Analysen, hat sich bewährt und gezeigt, dass es sehr schnell Risiken mit bestimmten Impfstoffprodukten aufdecken kann. Dazu ist es geeignet und hat seine Eignung gezeigt.»
Auf Nachfrage der CDU-Fraktion erläutert Cichutek die Grundlagen des Spontanmeldesystems und verweist darauf, dass mithilfe der SafeVac2.0-App ebenfalls ein aktives Überwachungssystem installiert wurde. Er betont auch die europaweite Vernetzung und Analyse von potentiellen Alarmsignalen.
Leider wurde die SafeVac2.0.-App während der gesamten Befragung nie gründlich thematisiert. Meine presserechtlichen Gerichtsverfahren haben aufgedeckt, dass das PEI auch fast zwei Jahre nach Beendigung der Datenerhebung nicht weiß, Meldungen der Studienteilnehmer über Nebenwirkungen aufgrund der App konkret eingegangen sind. Außerdem hat das PEI keine Auswertung der Daten publiziert. Es hat sogar die gesetzlich vorgeschriebenen Meldefristen für Nebenwirkungsmeldungen an die europäische Datenbank massiv verletzt.
Die Zulassungsstudien
Auf die Frage, inwiefern der damals herrschende Druck, einen Impfstoff auf den Markt zu bringen, Einfluss auf das PEI oder ihn persönlich genommen hat, antwortet Prof. Cichutek: «Das Paul-Ehrlich-Institut hat diesen Druck nicht empfunden und auch ich persönlich habe ihn nicht empfunden. Bei unserer Arbeit geht es um eine rein wissenschaftliche Beurteilung der Datenlage. Und es ist auch so, dass die vorgeordnete Bundesbehörde, das BMG, hier gar nicht einschreiten kann und auch nicht einschreiten will.» Diese Behauptung erscheint im Lichte der vorhergehenden Äußerung zum Astrazeneca-Impfstoff nicht ganz kongruent. Erst bezieht sich Cichutek bezüglich der Risiko-Nutzen-Analyse auf ein nicht vorhandenes besonderes Sterbegeschehen, welches es mit zu beachten gäbe, um dann zu behaupten, es ginge immer nur um eine rein wissenschaftliche Beurteilung der Datenlage.
Auf die Zulassungsstudien, die laut PEI Nebenwirkungen von Impfstoffen ermitteln können angesprochen, äußert Cichutek ein Wort, das er mehrmals wiederholen wird: «regelgerecht». Er sagt wörtlich: «Die pivotalen Studien zur Feststellung der Sicherheit und Wirksamkeit vor der Zulassung waren regelgerecht.» Doch stimmt diese Aussage? Erstens wurden die Zulassungsstudien zu früh entblindet, um aussagekräftige Daten zu Nebenwirkungen und Wirksamkeit zu haben. Whistleblower meldeten besorgniserregende Unregelmäßigkeiten hinsichtlich der Studiendurchführung. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass die sowieso eher irreführenden angeblichen 95 Prozent relativer Wirksamkeit gefälscht waren.
Hinsichtlich der Zulassungsstudie sei angemerkt, dass die primären Endziele der klinischen Zulassung nicht der Schutz vor schweren Verläufen, sondern vor symptomatischen Infektionen waren. Außerdem zeigten diese Studien keine verringerte Sterblichkeit in der geimpften Gruppe, was bei einem Impfstoff, der Leben retten soll, jedoch zu erwarten wäre Laut dem Biostatistiker und ehemaligen Harvard-Professor Martin Kulldorff: gab es für die modRNA-Impfstoffe hingegen keine Hinweise auf eine Verringerung der Sterblichkeit. Zu dieser Einschätzung kam auch der Pharmazieprofessor Peter Doshi.
Hinsichtlich der Arbeit des PEI und des von Cichutek stets hervorgehobenen günstigen Risiko-Nutzen-Verhältnisses ist die Begutachtung der Zulassungsstudien durch Peter Doshi von besonderer Relevanz. In einem MDR-Interview im Oktober 2022 fasste er die Nebenwirkungsrate wie folgt zusammen: «Die Studiendaten legen nahe, dass wir bei rund einem von 800 Geimpften ein erhöhtes Risiko dieser schweren Nebenwirkungen haben, also eine zusätzliche schwere Nebenwirkung pro 800 Geimpften. Das ist sehr viel häufiger als bei anderen Impfungen, bei denen die Rate bei einem von 1 Mio. Geimpften liegt» Wie Klaus Cichutek anhand solcher Zahlen zu dem Schluss kommt, dass ein günstiges Risiko-Nutzen-Verhältnis bestehe, müsste wohl bei einer weiteren Ausschusssitzung geklärt werden.
Als Cichutek gefragt wird, warum Deutschland gut durch die Coronajahre gekommen sei, führt er aus, dass das PEI mitverantwortlich dafür ist, dass es bereits Ende 2020 Impfstoffe gab. Das PEI wusste über die «vertretbaren Risiken der Impfstoffe sehr genau Bescheid, konnte sehr schnell reagieren und die Risiken reduzieren.» Das oben skizzierte Astrazeneca-Debakel spricht eine andere Sprache.
Auch rückblickend stellt Cichutek fest: «Das heißt, ich würde auch heute noch unter diesen Umständen die entsprechenden Impfstoffe zulassen und zur Impfung freigeben.»
Weiter führt Cichutek aus: «Mich hat bewegt, ob ich Fehler bei der Zulassung der Impfstoffe zu diesem frühen Zeitpunkt gemacht habe. Und nein, die wurden regelgerecht entwickelt.» Laut Cichutek wurde die Sorgfalt nicht vernachlässigt. Rückblickend stellt er fest: «Und das sehe ich auch heute noch so. Das heißt, ich habe ein sehr gutes Gewissen und bin sehr froh, dass wir eine regelgerechte Impfstoffzulassung erreichen konnten.»
Auf Nachfrage der SPD stellte Cichutek klar, dass das PEI Zugang zu allen Studienprotokollen und Daten im Hinblick auf die Zulassung hatte. Das liegt die Vermutung nahe, dass dem PEI die aufgrund der hohen Nebenwirkungsraten eher ungünstige Nutzen-Risiko-Analyse bei den modRNA-Impfstoffen bekannt gewesen sein könnten. Trotzdem sagt er: «Die Risiken, die sehr seltenen Risiken, die sich mit bestimmten Impfstofftypen verbunden haben und damit zeigt haben, waren nicht vorhersehbar.»
Die Wirksamkeit
Cichutek behauptet, dass die «die Belegung der Intensivstationen in Deutschland und in anderen Ländern deutlich zurückging nach dem die Impfung weit verbreitet war.» Diese Behauptung lässt sich mit den offiziellen Zahlen der Auslastung der Krankenhäuser nicht belegen. In der folgenden Grafik erkennen Sie keine keinen deutlichen Rückgang der Auslastung der Intensivstationen seit dem Impfstart am 27. Dezember 2020.
Es folgte eine Beschreibung Cichuteks davon, wie es gelang die sogenannten Impfstoffe so schnell auf den Markt zu bringen. Laut Cichutek kannte das PEI die mRNA, die eigentlich eine modRNA-Technik ist, da die mRNA bewusst modizifiert wurde, sehr gut. Danach erörtert er die Verkürzung des Zulassungsprozesses, allgemein als Teleskopierung bezeichnet. Darin werden Prüfungsverfahren bereits begonnen, bevor andere vorhergehende Prüfungen wirklich abgeschlossen sind.
Die Beschreibung der schnellen Impfstoffentwicklung, bei der Cichutek sehr stolz wirkt, beendet er mit folgender Aussage: «Und Sie können sich wahrscheinlich vorstellen, dass alle Impfstoff- und Arzneimittelhersteller nach der Pandemie die ganze Zeit fragen, warum wir das nicht jeden Tag so machen.»
Zur Zeit des Zulassungsverfahrens merkt Cichutek an, dass damals «durchaus zusätzliches Personal zur Verfügung gestellt wurde». Spannend ist, dass die für die Impfstoffsicherheit zuständige Pharmakovigilanz-Abteilung so schlecht besetzt war und ist, dass sie bis heute die SafeVac2.0-Daten nicht veröffentlicht hat. Die damalige Leiterin der Abteilung, Dr. Keller-Stanislawski, berichtete über ihre Überforderung aufgrund der hohen Anzahl an Verdachtsfällen. Vor dem Untersuchungsausschuss in Brandenburg sagte sie im September 2023: «Es gab Leute, die haben sich nur um Todesfälle gekümmert und Leute, die haben sich nur um Myokarditis gekümmert, wir hatten ja viel mehr Arbeit als zuvor, nur durch diesen Impfstoff. Wir haben aus anderen Abteilungen Hilfe bekommen, weil wir zu wenig Leute für die Bearbeitung der Impfnebenwirkungen hatten.» Cichutek erwähnt nicht ein einziges Mal, dass es einen Meldeverzug bezüglich der laut Arzneimittelgesetz vorgeschriebenen Fristen für Impfnebenwirkungen gegeben hat. Auf Nachfrage teilte mir das PEI bezüglich der Verdachtsfälle der SafeVac2.0-App im September 2025 mit, dass «noch nicht sämtliche Verdachtsfälle von Nebenwirkungen an die EudraVigilance-Datenbank gemeldet worden sind». Es ist jedoch dazu verpflichtet, schwerwiegende Nebenwirkungen innerhalb von 15 Tagen und nicht schwerwiegende Verdachtsfälle innerhalb von 90 Tagen zu melden. Diese Aussage wurde zwei Jahre nach Beendigung der Datenerhebung getätigt. Ein enormer Meldeverzug!
Für die Zulassung stellte das Gesundheitsministerium also mehr Personal zur Verfügung, für die Auswertung wichtiger Sicherheitsdaten jedoch scheinbar nicht. In einem umfassenden Artikel der freien Journalistin Lena Böllinger über die SafeVac2.0-App wird deutlich, dass nur sehr wenige Mitarbeiter mit der Auswertung der App-Daten beschäftigt sind. Aktuell ist es trotz der enormen Verzögerung der Veröffentlichung nur eine Person. Im selben Artikel wird ein Schriftsatz des Rechtswissenschaftlers Martin Schwab zitiert, aus dem hervorgeht, dass im PEI lediglich 13 Mitarbeiter die Verdachtsfallmeldungen des Spontanmeldesystems erfassen. Dabei handele es sich um Werksstudenten.
Wie es bei Personalmangel möglich ist, die Impfstoffsicherheit sorgfältig und schnell zu überwachen, bleibt ebenfalls ungeklärt. Wie kann Herr Cichutek trotz dieser Umstände ein reines Gewissen haben?
Es gibt keine Untererfassung?
Die Datenbasis für die Sicherheitsberichte des PEI, die bereits mehrfach thematisiert wurde, sind die Verdachtsfallmeldungen, die durch das Spontanmeldesystem eingehen. Mindestens seit Beginn der Corona-Impfkampagne ist die damit verbundene Untererfassung ein heiß diskutiertes Thema. In früheren Publikationen sprach das PEI unter Verweis auf mehrere einschlägige Studien von einer enormen Untererfassung. Dort heißt es: «nur etwa sechs Prozent» aller unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) und nur «fünf bis zehn Prozent» der schweren UAW würden Schätzungen zufolge gemeldet. Während der Corona-Impfkampagne verneinte das PEI dieses Phänomen der Dunkelziffer plötzlich. Auf der eigenen Webseite heißt es jedoch: «Bei der regulären Erfassung von Verdachtsfällen von Impfnebenwirkungen im Rahmen der Spontanerfassung werden zwar Verdachtsfälle erfasst, nicht bekannt ist aber, wie viele Reaktionen aus unterschiedlichen Gründen nicht gemeldet werden.»
Frau Muhsal legt den Finger in diese Wunde und fragt Prof. Cichutek, wie hoch seiner Meinung nach die Untererfassung von Impfnebenwirkungen ist. Cichuteks bemerkenswerte Antwort ist, dass Ärzte, Angehörige und Betroffene während des Impfgeschehens hoch sensibilisiert gewesen seien, um auf Nebenwirkungen zu achten. Es habe laut Cichutek ein Vielfaches mehr an Verdachtsfallmeldungen von Nebenwirkungen in kürzester Zeit gegeben. Aufgrund dieser hohen Anzahl an Meldungen führt Cichutek weiter aus: «Insofern kann ich nicht erkennen, dass hier tatsächlich irgendwo noch eine Dunkelziffer von nicht gemeldeten Verdachtsfällen sein sollte. Da ist sehr viel gemeldet worden.» Eine erhöhte Anzahl an Meldungen kann jedoch nicht nur auf gesteigerte Sensibilität, sondern auch auf ungewöhnlich hohe Nebenwirkungsraten zurückzuführen sein.
Außedem ergaben mehrere Bundestagsanfragen des BSW, dass es bei den Corona-Impfstoffen 20-mal mehr Verdachtsmeldungen als bei anderen Impfstoffen gab.
Auf Muhsals Nachfrage, ob es keine Untererfassung gab, antwortet Cichutek ausweichend, dass mithilfe der SafeVac2.0-App aktiv nachgesucht wurde. Auf die erneute Nachfrage nach Belegen für eine nicht vorhandene Untererfassung merkt Cichutek an, dass er dazu keine konkreten Daten habe, sondern nur seine persönliche Beobachtung. Wie viele Verdachtsmeldungen mithilfe der SafeVac2.0 App gemeldet wurden, hat das PEI, bis heute nicht veröffentlicht. Sogar vor Gericht gelang es mir nicht, diese Zahlen zu erstreiten, weil sie dem PEI laut eigener Aussage nicht vorliegen. Eine Bundestagsanfrage ergab jedoch, dass 0,5 % der Meldungen Verdachtsfälle von schwerwiegenden Nebenwirkungen betrafen. Das ist eine besorgniserregend hohe Zahl.
Frau Muhsal rechnet vor, dass im Verhältnis zu den verimpften Dosen mehr Verdachtsfallmeldungen eingegangen sind als bei herkömmlichen Impfungen. Sie fragt Cichutek, ob es aufgrund der fehlenden Auswertung der Daten der Kassenärztlichen Vereinigung und der Schwächen des Spontanmeldesystems möglich sein könne, dass er mit der Impfung Menschen geschadet oder gar in den Tod geschickt habe.
Er antwortet, dass die Melderaten keinen Hinweis darauf geben, wie viele Nebenwirkungen tatsächlich vorliegen. Das ist fachlich korrekt, da die Meldungen vom PEI zunächst geprüft werden müssen. Trotzdem bleibt fraglich, wozu die Melderaten dann in Sicherheitsberichten veröffentlicht werden, wenn sie im Prinzip keine Aussagekraft besitzen.
Hinsichtlich der Untererfassung ist die Entscheidung von Andreas Schöfbeck, Vorstand der BKK Provita, Ende Februar 2022 eine eigenständige Analyse einer Stichprobe von 10.937.716 Versicherten zu veröffentlichen, besonders aufschlussreich. Während das PEI die Krankenkassendaten nicht auswertete, tat Schöfbeck dies auf eigene Faust, um Licht ins Dunkel der Nebenwirkungsrate der modRNA-Präparate zu bringen. Seine Ergebnisse, die er dem PEI und anderen Gesundheitsbehörden zukommen ließ, waren alarmierend. Sie zeigten, dass es eine «erhebliche Untererfassung» bei Impfnebenwirkungen geben muss. Schöffbeck zufolge handelt es sich dabei um ein sehr ernstzunehmendes Alarmsignal. Er schrieb: «Hochgerechnet auf die Anzahl der geimpften Menschen in Deutschland bedeutet dies, dass circa 4–5 % der Geimpften wegen Impfnebenwirkungen in ärztlicher Behandlung waren.»
Kurz vor einem geplanten Treffen mit dem PEI und nur zehn Tage nach seinem offenen Brief wurde Schöffbeck vom Verwaltungsrat fristlos entlassen.
mRNA oder modifierte RNA - Das ist hier die Frage
Die Abgeordnete der Partei Die Linke fordert Cichutek auf, die Funktionsweise des modRNA-Impfstoffs darzulegen und den Vorwurf zu kommentieren, die Impfung habe vielen Menschen das Leben gekostet. Cichutek bezieht sich auf die Sicherheitsberichte des PEI und führt aus, dass es 74 mögliche und wahrscheinliche Todesfälle durch die Impfung gab. Die Gesamtzahl der Verdachtstodesfälle, die laut PEI mittlerweile bei über 3.717 Fällen liegt, nennt er nicht. Außerdem führte er aus, dass die modRNA-Technik keine Veränderung des Genoms vornehmen könne. Laut Cichutek «haben die mRNA-Impfstoffe eine mRNA, die der natürlichen, in all unseren Zellen vorkommenden mRNA gleicht.»
Cichutek, der bereits im Jahr 2015 an einer Impfung gegen Coronaviren mit einer neuartigen Technologie arbeitete ist als Biochemiker mit der Materie von Impfstoffplattformen sehr vertraut. Pikantes Detail: Unter den Namen der Mitautoren der Studie findet sich der ehemalige CEO von Biontech Ugur Sahin. Doch gleicht die von Sahin millionenfach unter Aufsicht von Cichuteks PEI verimpfte modRNA wirklich der natürlichen?
Der Molekularbiologe Professor Klaus Steger führt dazu Folgendes aus: «Das durch die öffentlich-rechtlichen Medien verbreitete politische Narrativ von «mRNA-Impfstoffen» vermittelt den Menschen somit ein falsches Bild von Unbedenklichkeit, da sich natürliche mRNA und synthetische modRNA funktionell wie zwei unterschiedliche Moleküle verhalten.» Weiter erläutert Steger: «Die Instabilität macht natürliche mRNA für den Routineeinsatz in der Medizin unbrauchbar. Daher wurde sie im Labor verändert, um die Stabilität zu erhöhen, die Lebensdauer zu verlängern und die Effizienz der Proteinproduktion zu steigern. Das Ergebnis ist modifizierte mRNA, kurz modRNA.»
Auf der Webseite von Biontech wird die Aussage von Steger bestätigt. Dort heißt es: «Wir nutzen nukleosidmodifizierte mRNA (modRNA) für unsere mRNA-Impfstoffkandidaten, die natürlich vorkommende, modifizierte Bausteine für eine verbesserte Stabilität und reduzierte Immunogenität enthalten, um so ungewollte Immunreaktionen zu minimieren und die Dauer der Proteinproduktion zu verlängern – zwei der größten Herausforderungen bei der Entwicklung sicherer und wirksamer mRNA-Impfstoffe. Unsere mRNA-Impfstoffplattform hat die Entwicklung des ersten kommerziell erhältlichen COVID-19-Impfstoffs ermöglicht – ein klarer Beweis für die Bedeutung und Wirksamkeit unserer Plattformtechnologie.»
Für diese laut dem Deutschen Ärzteblatt «Modifikation mit großer Wirkung» bekamen die verantwortlichen Wissenschaftler 2023 den Medizin-Nobelpreis. BioNtech kommentierte die Verleihung so: «Wir bei BioNTech gratulieren Kati (Katalin) Karikó und Drew Weissman zum Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für ihre Nukleosid-Basen-Modifikationen, die eine der wichtigen Innovationen für unseren mRNA-basierten COVID-19-Impfstoff sind.»
Steger bezeichnete die Verwendung des Begriffs als Täuschungsmanöver, um die potenziellen Risiken von modRNA-Plattformen zu verschleiern, und traf damit eine zugespitzte Aussage. «Wer keinen Unterschied zwischen modRNA und mRNA erkennt, der erkennt auch keinen Unterschied zwischen einem Tiger und einer Hauskatze.» Laut Steger ist es «hoch problematisch, dass modRNA keinen «Stopp-Knopf» besitzt, da die zelleigenen Regulationsmechanismen für mRNA bei synthetischer modRNA nicht oder nur sehr schlecht funktionieren.»
Hat der ehemalige Chef des PEI vor dem Untersuchungsausschuss die Unwahrheit gesagt, oder erkennt er den Unterschied nicht? Versucht Cichutek die Sicherheitsrisiken der Plattformtechnologie, die er zu überwachen hatte, herunterzuspielen?
Schließlich war die Corona-Impfkampagne der Startpunkt für die massenhafte Anwendung dieser neuen Plattform, die es vorher nie auf den Markt geschafft hat. Um die lukrative Einführung dieser Technologie für die Pharmaindustrie zu verstehen, sei angemerkt, dass von den bis 2027 prognostizierten weltweiten Ausgaben für Arzneimittel in Höhe von 457 Milliarden Euro 348 Milliarden Euro auf die Corona-Impfstoffe entfallen. Zu dieser Prognose kommt jedenfalls der Informationsdienstleister IQVIA.
Kinderimpfungen: Volles Risiko — aber kein Nutzen
Das BSW spricht nun die «kontrovers diskutierte» Impfkampagne gegenüber gesunden Kindern und Jugendlichen an. Erinnert sie hier daran, dass Kinder und Jugendliche aufgrund der geringen Gefahr, die von Corona ausging, nie eine experimentelle Impfung gebraucht haben. Es gab keinen medizinischen Anlass. Die Frage zielt auf die «wissenschaftlichen Unsicherheiten» und die erhöhten Nebenwirkungsraten zu Beginn der Impfkampagne sowie auf die Frage, inwiefern die Öffentlichkeit darüber informiert wurde, ab. Cichutek kann sich nicht an erhöhte Nebenwirkungseffekte erinnern, da bei den Impfstoffen für Kinder und Jugendliche die Dosis stark reduziert wurde.
Der damalige Chef der Ständigen Impfkommission des RKI, Thomas Mertens, hat jedoch frühzeitig auf hohe Nebenwirkungsraten hingewiesen. In einem Interview mit dem NDR vom 1. Juni 2021 sagte er: «1,3 Prozent der geimpften Kinder, nur von diesen 1100, hatten nach Einschätzung der Studien schwere Reaktionen. Also der Impfstoff ist schon sehr reaktogen, wie wir sagen, bei den Kindern.» Nicht ohne Grund hat Mertens in der Sendung von Markus Lanz davon abgeraten, Kinder zu impfen. Bereits im April 2021 gab es offizielle Berichte auf vermehrte Myokarditis-Fälle bei jungen Männern nach Impfung. Diese Hinweise verdichteten sich vor allem in Israel und wurden im Juni 2021 als Alarmsignal veröffentlicht. Erst im Juli 2021 informierte das PEI mithilfe eines Rote-Hand-Briefes die Ärzteschaft über diese Gefahr.
Zum Schluss des Untersuchungsausschusses räumt Cichutek auf Nachfrage der AfD ein, dass das Problem von Myokarditis und Perikarditis in den Zulassungsstudien «im Einzelfall» bereits zu sehen war.
Wenig später empfahl die STIKO trotz fehlender solider Daten zu den Nebenwirkungen und trotz fehlender medizinischer Notwendigkeit die modRNA-Präparate sogar für Babys ab sechs Monaten.
Außerdem habe man durch Vergleiche der neutralisierenden Antikörper gezeigt, so Cichutek, dass die entsprechende Dosierung geeignet sei. Die Messung von Antikörpern hat jedoch keine relevante Aussagekraft zur klinischen Wirksamkeit einer Impfung – geschweige denn zum Nebenwirkungsprofil.
Der Top-Immunologe Andreas Radbruch äußert sich diesbezüglich wie folgt: «Der Nachweis von möglicherweise schützenden Antikörpern im Blut ist kein Korrelat für Schutz vor Infektion und Infektiosität. Allein schon deshalb, weil die Antikörper im Blut zwar vor schweren Krankheitsverläufen schützen mögen, für den Schutz vor Infektion aber auf den Schleimhäuten sein müssten. Dafür müssten sie zunächst aus dem Blut transportiert werden. Das ist kein Automatismus. Kurz gefasst: Den Schutz einer Impfung vor Infektionen sollte man also epidemiologisch erfassen, d. h. wie viel weniger Menschen sich anstecken und wie viel weniger Menschen schwer erkranken.»
Laut Cichutek war auch das Risiko-Nutzen-Verhältnis bei den Zulassungsstudien für Kinder und Jugendliche günstig. Die leider bereits verstorbene Medizinrechtlerin Dr. Brigtte Röhrig widmet sich in ihrem Buch explizit der Zulassung der modRNA-Impfstoffe für Kinder und Jugendliche. Einige Auszüge aus den relevanten Kapiteln lassen erahnen, wie umstritten Cichuteks Aussagen sind. Laut Röhrig war »zum Zeitpunkt der Erteilung der ersten Zulassung für Kinder im Alter von 5– 12 Jahren bereits die erste Studie von Prof. Ioannidis bekannt, in der er für die Altersgruppe von 0– 19 Jahren ein Mortalitätsrisiko von 0, 0013 % errechnete.» «Warum überhaupt Zulassungen für die Kinder erteilt werden und auch zukünftig angepasste Injektionen zugelassen werden sollen, und wie überhaupt ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis seitens der Behörden angenommen werden kann, ist nach wie vor nicht nachvollziehbar.» Auch die Studien zu Kindern wurden frühzeitig entblindet und basierten auf sehr kleinen Teilnehmerzahlen.
In den geleakten RKI-Protokollen ist im August 2021 bezüglich der Risik-Nutzen-Analyse zu lesen, dass „die STIKO den Nutzen einer Impfung nach wie vor nicht höher bewertet, als das Risiko durch die Erkrankung“.
Die «Pandemie der Ungeimpften»
Dann kommt im Untersuchungsausschuss die zweite Hälfte des Jahres 2021 aufs Tablett. Damals wurden Ungeimpfte fast vollständig vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Entgegen der wissenschaftlichen Einschätzung des RKI sprach der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn von einer «Pandemie der Ungeimpften» und führte so die Öffentlichkeit in die Irre.
Tatsächlich spielten auch die Geimpften eine relevante Rolle im Infektionsgeschehen. Cichutek wird nun gefragt, ob es damals eine gesicherte Datenlage bezüglich Ansteckung und Weitergabe des Virus gab. Cichutek behauptet, dass vor dem Auftreten der ansteckenderen Omikron-Variante eine «gute Restaktivität auch in Bezug auf Transmission - Verhinderung von Infektionen - bei den Impfstoffen zu vermerken war». Damit wiederholt er die oben bereits widerlegte These eines signifikanten Infektions-beziehungsweise Fremschutzes. Dass dieser Schutz nicht vorhanden ist, notierte man auch in den Protokollen des RKI-Krisenstabes bereits im September 2021, also einige Monate vor dem Auftreten der Omikron-Variante in Deutschland so:
«...virologische Daten (.), die eine ähnlich hohe Viruslast bei Geimpften wie bei Nicht-geimpften nahelegen.» 01.09.2021
«Viruslast im oberen Respirationstrakt ist bei Geimpften und Ungeimpften nicht wesentlich anders» 24.09.2021
Keine Protokolle angelegt
Zum Ende der Sitzung wird Cichutek durch die AfD mit einer der wohl brisantesten Verfehlungen des PEI konfrontiert. Meine eigenen Recherchen hatten ergeben, dass der für die Impfstoffsicherheitsüberwachung zuständige Fachbereich (Pharmakovigilanz) und die übergeordnete Abteilung fast während der gesamten Corona-Impfkampagne kein einziges Protokoll angelegt haben soll.
Cichutek versichert, dass Sitzungen stattgefunden haben, umschifft aber konkret darauf zu antworten, ob Protokolle angefertigt wurden oder nicht und wer eine potentielle Nichtanfertigung veranlasst hat. Auf weitere Nachfrage teilt Cichutek mit, dass damals »handeln vor ging» und erst danach wurden Dinge «dingfest niedergeschrieben.» Laut Cichutek würde sich das jedoch nachholen lassen. Die AfD will weiter wissen, ob es für Prof. Cichutek mit den Anforderungen an eine nachvollziehbare Pharmakovigilanz vereinbar ist, wenn Besprechungen zwar stattgefunden haben, diese aber nicht protokolliert wurden.
Cichutekdazu «Aus Qualitätsmanagementgründen müssen Ergebnisse nachvollzogen werden können.» Auf Nachfrage, ob fehlende Protokollierung vielleicht zu Qualitätsmängeln geführt habe, entgegnet Cichutek, dass er glaube, dass das Pharmakovigilanz-System hervorragend funktioniert habe.
Obduktionen gewünscht, aber nicht angeordnet
Die AfD-Fraktion möchte nun wissen, warum es nach Impfungen keine Obduktionen gab und ob die Chargen bei Verdachtsfällen auf Nebenwirkungen erfasst werden. Cichutek räumt ein, dass die Chargennummern über die SafeVac-App erfasst werden. Diese Daten wurden jedoch, wie oben bereits ausgeführt, bis heute der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht. Cichutek behauptet außerdem, das PEI habe auf Grundlage dieser bisher nicht veröffentlichten Daten nachgewiesen, dass es keine besonders schadensträchtigen Chargen gegeben habe. Mehrere Studien hatten jedoch in drei verschiedenen Ländern das Gegenteil nachgewiesen, also das Vorhandensein besonders schädlicher Chargen. Laut Cichutek hatte das PEI aufgrund der SafeVac2.0-App eine große Menge Daten zu den Chargen zur Verfügung.
Cichutek teilt bezüglich der Obduktionen mit, dass sich das PEI vehement dafür eingesetzt hat, diese durchzuführen, jedoch nicht in der Lage ist, sie anzuordnen. Diese Aussage kann als Hinweis auf die Vorgesetzten des PEI interpretiert werden. Das BMG hätte die Möglichkeit gehabt, systematisch Obduktionen nach Impfungen durchführen zu lassen. Dies hat beispielsweise der renommierte Pathologe und Direktor der Pathologie in Heidelberg, Peter Schirmacher, getan. Die WELT berichtete im August 2021: «Der Direktor des Pathologischen Instituts in Heidelberg warnt gar vor einer hohen Dunkelziffer an Impftoten und beklagt: Von den meisten Patienten, die nach und möglicherweise an einer Impfung sterben, bekämen die Pathologen gar nichts mit.» Diese Aussage stehen im klaren Widerspruch zu Cichuteks Behauptung es gäbe keine Dunkelziffer. Schirmacher fand nach 200 Obduktionen Folgendes heraus: «Mehr als 40 Menschen habe man bereits obduziert, die binnen zwei Wochen nach einer Impfung gestorben sind. Schirmacher geht davon aus, dass 30 bis 40 Prozent davon an der Impfung gestorben sind. Die Häufigkeit tödlicher Impffolgen wird aus seiner Sicht unterschätzt.»
Abschließend wird Cichutek noch einmal darum gebeten, zu erklären, wie das Risiko-Nutzen-Verhältnis bei den modRNA-Produkten ermittelt wurde. Neben allgemeinen Bemerkungen und dem Hinweis, dass es sich dabei um eine umfassende Erhebung handelt, kann er sich an keinen Moment erinnern, in dem die Risiko-Nutzen-Analyse der mRNA-Präparate nicht datenbasiert gewesen sein soll.
»Impfstoffe verursachen keine Todesfälle.»
In der vierten und letzten Fragerunde weist die AfD-Fraktion Cichutek auf eine Aussage von ihm vom 21. Februar 2021 hin. Damals hatte er gesagt: «Impfstoffe verursachen keine Todesfälle.» Auf die Frage, ob er diese Aussage nach wie vor für richtig hält, erwähnt Cichutek ein weiteres Mal die 74 wahrscheinlichen Todesfälle nach Impfung und betont, dass jeder einzelne Fall schrecklich ist und vermieden werden sollte. Im Pandemiefall sei dies aber laut Cichutek »noch mal anders zu betrachten.» Auf Nachfrage führt er aus, dass es bei Pandemien zu sehr vielen Todesfällen und Überlastungen der Intensivstationen kommt. Im Jahr 2020 gab es in Deutschland jedoch kein besonderes Sterbegeschehen und die Intensivstationen waren in den Jahren 2020 und 2021 historisch unausgelastet. Die Abwägung von Menschenleben, die sowieso bereits unethisch und auch nach der Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichtes nicht zulässig ist, fußte in dem Fall auf völlig falschen Grundvorraussetzungen.
Schlussendlich wählt Cichutek eine clevere Strategie, um die offensichtliche Irreführung der Öffentlichkeit durch seine Aussage zu verschleiern. Er sagt, dass Impfstoffe keine Todesfälle verursachen sollten. Mit seinem Statement aus dem Jahr 2021 behauptete er unterdessen, dass sie keine Todesfälle verursachen., Wer erwartete, dass er angesichts der mindestens 74 als ursächlich anzusehenden Verdachtstodesfälle diese Aussage als Falschaussage einräumen würde, wurde enttäuscht.
Die letzte Frage, ebenfalls durch die AfD-Fraktion will erörtern, ob man durch die Impfung Herdenimmunität erzeugen kann. Cichutek antwortet mit der seit Jahren widerlegten Behauptung, dass der pandemische Erreger Sars-Cov2 auf eine Bevölkerung traf, die keine Immunabwehr gegen das Virus hat, auch nicht durch vorherigen Kontakt mit «durch verwandte Erreger». Er verneint also eine Kreuzimmunität aufgrund vorheriger Infektionen mit anderen Coronaviren. Bereits im Juli 2020 veröffentlichte eine Autorengruppe rund um den damaligen Charitè—Professor für Regenerative Immunologie und Altern Andreas Thiel jedoch Ergebnisse, die bei 30 Prozent der Bevölkerung eine Kreuzimmunität nachwiesen. Andreas Radbruch bestätigte im Interview mit mir auch diese in der Bevölkerung vorhandene Kreuzimmunität.
Auf Anfrage bezüglich der Aussagen von Prof. Cichutek teilt Immunologe Andreas Radbruch mit: «In der Tat war schon früh klar, dass die meisten, wenn nicht alle, in Deutschland bereits vor der Pandemie und der Impfkampagne eine Immunität gegen SARS-CoV-2 hatten, die aus Gedächtnis T Lymphozyten bestand. So ganz immunologisch “naiv” waren wir also nicht. Die Behauptung ist einfach fachlich falsch. Ob das dazu beigetragen hat, dass SARS-CoV-2 von den meisten Menschan mit einem gesunden Immunsystem gut gemeistert wurde, sei dahin gestellt.»
Die Bedeutung dieser immer wieder vorgetragenen Fehleinschätzung einer komplett ungeschützten Bevölkerung als Grundlage für die Erzeugung von Angst und die Behauptung, alle Menschen impfen zu müssen, kann nicht stark genug betont werden. Die Bevölkerung war nicht immunologisch naiv gegenüber Sars-Cov2.
Laut Cichutek ist es Lehrmeinung, dass drei Kontakte mit dem Antigen nötig sind, um eine Basisimmunität zu entwickeln. Dies könne eine Mischung aus Impfung und Infektion sein. Er behauptet außerdem, dass es ohne Impfung nicht möglich ist, einen Schutz vor der Krankheit zu haben. Er fügt jedoch hinzu, dass es im Einzelfall möglich sein kann, dass einzelne Personen aufgrund der Immunität nahestehender Personen geschützt werden, also ein Fremdschutz. Cichutek führt jedoch nicht aus, dass die erworbene Immunität der Impfimmunität überlegen ist und Genesene keine Impfung benötigen.
Andreas Rabruch teilt auf Anfrage mit: «Auch hier liegt Klaus Cichutek falsch, leider.» Laut Radbruch erzeugt eine durchgemachte Infektion eine »stabile Immunität.» Radbruch beschreibt, wie minderwertig die durch Impfung erworbene Immunität im Vergleich zur durch Infektion erworbenen Immunität ist.: «Man kann also annehmen, dass eine dreimalige Impfung dann genau so viele Plasmazellen wie eine einzige durchlebte Infektion induziert. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn Impfungen erzeigen ja in der Regel abgeschwächte Immunreaktionen.»
Bezüglich der Impfung von Genesenen und der sogenannten «hybriden Immunität», einem Begriff, der in der Corona-Zeit entstanden ist, teilt Andreas Radbruch auf Anfrage mit: «Die These von der überlegenen “hybriden” Immunität ist schlicht und einfach immunologischer Quatsch. Die Impfung von Genesenen macht ungefähr so sinnvoll wie die 4., 5. etc. Impfung von Geimpften. Und das in einer Situation, in der die meisten sowieso mehrfach infiziert sind. Ich bin erstaunt, dass diese Fehleinschätzungen nicht durch Lernfähigkeit eingefangen werden, und sich bis heute halten.» Eindeutiger kann Kritik kaum ausfallen.
Die Chargenprüfung
Danach geht es um die Qualität der oben im Falle von Astrazeneca beschrieben Chargenprüfung, die in der Verantwortung des PEI liegt. Seit Jahren übt eine Gruppe von Chemieprofessoren Kritik an der Art und Weise des Prüfungsverfahrens und drängte auch bei der EMA um die Herausgabe der Prüfprotokolle. Sie bekamen massiv geschwärzte Protokolle.
Ohne dass eine konkrete Frage dazu gestellt wird, äußert sich Cichutek von selbst zu Restmengen von Plasmid-DNA in den Impfstoffen. Die Prüfung dessen hat das PEI nicht selbst durchgeführt, sondern dem Hersteller überlassen. Laut Cichutek wurde entschieden, dass dies «kein sicherheitsrelevanter Test ist», weshalb es für nicht notwendig gehalten wurde, die Chargen selbst dahingehend zu prüfen. Doch dazu gibt es durchaus andere Ansichten.
Das PEI hatte in einer Stellungnahme auf die öffentliche Debatte im Dezember 2023 reagiert und behauptete: «Eine Plasmid-DNA-Restmenge ist aber in kleinen, als unschädlich geltenden Mengen unterhalb eines in der Zulassung festgelegten Grenzwerts vorhanden.» Gleichzeitig erfährt der Leser, dass das PEI diese angeblich unschädliche Restmenge nicht selber bestimmt: «Die Testung auf Rest-DNA ist nicht Teil der offiziellen experimentellen OMCLTestung (Official Medicines Control Laboratory) zur Chargenfreigabe.» Das PEI ist so ein «Offizielles Arzneimittelkontrolllabor.» (OMCL)
Erwähnenswert ist, dass ein sehr informativer MDR-Bericht zu dieser potenziellen Verunreinigung depubliziert wurde, ohne dass journalistische Standards verletzt wurden. Er ist jedoch hier weiterhin zu finden. Erinnern Sie sich an den Anfang des Artikels, in dem ein externes Labor und nicht das PEI eine beträchtliche Verunreinigung in Astrazeneca-Impfstoffdosen festgestellt hat? Brigitte König, Professorin für medizinische Mikrobiologie, untersuchte fünf Chargen der modRNA-Impfstoffe und fand in allen «erhebliche Mengen von Fremd-DNA, die weit über dem Grenzwert liegen». Sie wurde in dem gelöschten MDR-Beitrag interviewt.
Auch der Verein «Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie» hat sich zur DNA-Verunreinigung wie folgt geäußert: «Seit Februar 2023 haben verschiedene Labore in allen untersuchten Chargen des COVID-19- „Impfstoffs der Firmen Pfizer/BioNTech und Moderna Reste von Plasmid-DNA nachgewiesen, deren Konzentration deutlich über dem derzeit geltenden Grenzwert lag.»
Wesentlich bezüglich der generellen Chargenprüfung ist auch, dass der Hersteller die zu prüfenden Chargen dem PEI zuschickt und nicht spontan und ohne Voranmeldung geprüft werden. Es ist demnach nicht nachprüfbar, ob die eingeschickten Proben wirklich repräsentativ sind. Diese Praxis, die wenig Vertrauen erweckt, bestätigt Cichutek auch vor dem Ausschuss. Er ist der Meinung, dass der Hersteller die Proben spontan entnimmt und diese damit repräsentativ ist.
Auf die Verwendung der Nanolipide angesprochen, äußert Cichutek, dass diese nach den vorgesehenen Parametern hergestellt wurden und von ihnen kein Risiko ausgeht. Auch diese Einschätzung wurde bereits frühzeitig infrage gestellt. Bereits zu Beginn der Corona-Impfkampagne äußerte sich die auf dem Gebiet der molekularen Herz-Kreislaufforschung tätige Wissenschaftlerin Dr. Vanessa Schmidt-Krüger. Ihrer Meinung nach geht von den Lipidnanopartikeln (LNP) eine relevante Gefahr aus. Sie nahm ihre häufig geklickten Erklärvideos zu diesem Thema aus dem Netz, da sie massiv unter Druck gesetzt wurde und ihre Person schützen wollte.
Der Verein «Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung», der die Arbeit des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und die gesamte Corona-Impfkampagne kritisch begleitet hat, hat ebenfalls die Datenlage zu den Lipidnanopartikeln begutachtet. In dem Fachartikel zu den LNPs heißt es: «Große Kohortenstudien mit über 99 Millionen Teilnehmern konnten bereits starke Sicherheitssignale bei den mRNA-COVID-19-Impfstoffen entdecken, so etwa zu Myokarditis und Perikarditis, die mit den entzündlichen Eigenschaften der LNPs in Zusammenhang stehen. Eine 2025 veröffentlichte randomisierte, aktiv gegen einen Influenza-Impfstoff-kontrollierte Phase-1-Studie konnte erstmals anhand des Zytokinprofils nachweisen, dass die systemischen Impfreaktionen der modRNA-Impfstoffe direkt auf die LNPs zurückzuführen sind.»
Zum Abschluss seines ersten Zeugenbesuchs in einem Untersuchungsausschuss blickt Cichutek nach vorne. Für die Zukunft wünscht er sich die Erhaltung des PEI sowie mehr Forschung zu Impfungen gegen potenzielle Pandemieerreger. Man habe aus der Pandemie viel gelernt und sei auf kommende Pandemien gut vorbereitet.
Fazit
Einige der Aussagen des ehemaligen Präsidenten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, stehen im klaren Widerspruch zu wissenschaftlich gut gesicherten Erkenntnissen rund um die Corona-Impfkampagne. Es gibt demnach ausreichend Anlass, zu prüfen, ob es sich dabei um strafrechtlich relevante Aussagen handelt.
Darüber hinaus wiederholt Cichutek das Mantra sicherer und wirksamer Impfstoffe sowie einer soliden Impfstoff-Sicherheitsüberwachung. Dieses Mantra sollte von Beginn an Vertrauen in die Impfstoffe und die Institutionen schaffen. Wenn er jedoch aufgrund konkreter Nachfragen präzise Antworten geben muss, wirkt Cichutek unsicher und kann sich an wichtige Details nicht erinnern. Erkennbar wurde auch, dass selbst ein Untersuchungsausschuss nur dann wirksam werden kann, wenn die Fragesteller über viel Fachwissen verfügen und den Aufklärungswillen mitbringen. Obwohl die Fraktionen doppelt so viel Zeit haben wie in der Enquetekommission des Deutschen Bundestags, reichen zehn Minuten nicht aus, um den Zeugen in einer Art Kreuzverhör ernsthaft zu befragen.
Um die vielen massiven Verfehlungen der behördlichen Impfstoffüberwachung lückenlos aufzuklären, sind wahrscheinlich Gerichtsverhandlungen nötig, in denen geschulte Anwälte die Verantwortlichen des PEI befragen dürfen. Trotz der systemischen Mängel des Formats in Erfurt würde sich eine weitere Einladung an Herrn Cichutek oder andere seinerzeit Verantwortliche lohnen.
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