Die Zahl der sogenannten Corona-Toten war seit Beginn der Corona-Pandemie ein viel diskutiertes Thema. Frühzeitig wurden Personen, die eher unspezifisch als an oder mit Corona gestorben sind, als Corona-Tote klassifiziert. Das ist jedoch eine unpräzise Zählweise, da die Begleiterkrankung nicht zwangsläufig die Todesursache sein muss. Auf einer Pressekonferenz im März 2020 gab der damalige RKI-Chef Lothar Wieler bekannt, dass bei der Klassifizierung als Corona-Toter nur der positive PCR-Test zähle. Ein anderweitig Verstorbener mit positivem Test war demnach ein Corona-Toter.
Eine im Juni dieses Jahres veröffentlichte Studie, an der unter anderem der renommierte Medizinstatistiker Prof. John Ioannidis beteiligt war, begutachtete ca. 57 Millionen Totenscheine, um der Frage nach der Aussagekraft der eingetragenen Todesursachen nachzugehen. Ein besonderes Augenmerk legten die Forscher dabei auf die Verzerrungen rund um die Zahlen der Corona-Toten. Ioannidis hatte am selben Tag, als das RKI im März 2020 verkündete, dass von SARS-CoV-2 eine hohe Gefahr für die Bevölkerung ausgehe, einen Artikel verfasst, in dem er vor einem »Fiasko« warnte. Er befürchtete, dass Regierungen folgenreiche Entscheidungen ohne eine zuverlässige Datenbasis treffen würden. Auch die Zahl der tatsächlich an Corona Verstorbenen ist eine solche Datenbasis und sollte belastbar sein.
Hauptautor der Studie ist der Nobelpreisträger und Stanford-Professor Michael Levitt. Neben einem weiteren Mitarbeiter der Stanford University war auch Ben Marten als Autor an der Studie beteiligt. Er hatte die während der Corona-Pandemie häufig genutzte Website Mortality.Watch programmiert. Über diese war es möglich, das Sterbegeschehen verschiedener Länder einzusehen.
Für ihre Analyse verwendeten die Wissenschaftler die »Rohdaten aus US-Sterbeurkunden« der Jahre 2003–2023 der amerikanischen Seuchenschutzbehörde (CDC). Diese beinhalten verschiedene Angaben zur Todesursache, Begleiterkrankungen und Klassifizierungen nach dem internationalen Standard ICD-10.
Anhand ihrer Analyse, die aus Neukategorisierungen und Gewichtungen besteht, kamen sie zu folgendem generellen Ergebnis: »Systematische Unterschiede zwischen gemeldeten und neu klassifizierten Todesursachen sowie die Wahl des Gewichtungsschemas verändern die Schätzungen der Krankheitslast für mehrere Ursachen erheblich …«
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass »ein großer Teil der Todesfälle aufgrund von Vorschriften einer anderen Todesursache zugeordnet wird als von den ursprünglichen Ausstellern der Sterbeurkunden angegeben«. Ein Grund dafür ist, dass Sterbeurkunden laut der Studie »allgemein für ihre hohe Fehlerquote und zahlreichen Unstimmigkeiten bekannt sind».
Diese Einschätzung wurde auch von dem Rechtsmediziner Michael Tsokos bestätigt, der von 2007 bis 2023 das Institut für Rechtsmedizin der Charité leitete. In einem Interview mit der Berliner Zeitung im Februar 2022 sagte er: »Wenn in einem Jahr einfach mal ein paar Tausend Ärzte mehr ‚Herzinfarkt‘ reinschreiben, dann stehen auch mehr Herzinfarkte in der Statistik. Ob wirklich mehr Menschen daran gestorben sind, wissen wir nicht, weil das nicht verifiziert wird. Im Totenschein steht ‚akuter Herzinfarkt‘, es war aber in Wirklichkeit eine Lungenembolie. Oder da steht Verbluten aus dem Magen-Darm-Trakt, und der Tote hatte vielleicht vorher schon eine Blutarmut und ist an einer Lungenentzündung gestorben. Durch solche Fehler wird die Statistik ungenau.«
In der Studie heißt es außerdem: »Bei einem Drittel der Todesfälle ändert sich der ICD-Code für die ausgewählte Grundursache bei der Aufbereitung der ursprünglich gemeldeten Sterbeurkunde zu der in der offiziellen nationalen Statistik verwendeten Fassung, und bei etwa der Hälfte davon erfolgt sogar eine Verschiebung in eine andere übergeordnete Krankheitskategorie.«
Die Zahl der Corona-Toten
Laut den vier Studienautoren »sinkt beispielsweise die Zahl der an Corona Verstorbenen in den Pandemiejahren um 44 bis 63 %«. Demnach ist etwa die Hälfte der als Corona-Tote registrierten Personen in den USA nicht an Corona gestorben. Es handelt sich also um eine enorme Übererfassung.
Für den Zeitraum von 2020 bis 2023 beläuft sich die Gesamtzahl der an oder mit Corona Verstorbenen in den USA laut dem Center for Disease Control (CDC) auf knapp 1,1 Millionen Menschen. Die Hälfte davon entspricht somit rund 550.000 Todesopfern.1 Im selben Zeitraum starben in den USA insgesamt knapp über 13 Millionen Menschen. Basierend auf den neuen Zahlen der Studienautoren waren davon also etwas mehr als 4% echte »Corona-Tote«.
Die Wissenschaftler kommen zu folgendem Schluss, was die Klassifizierung «Corona-Tote» betrifft, die teilweise nur aufgrund eines positiven PCR-Tests erfolgte: »Solche Umstufungen sind im Laufe der Zeit immer häufiger geworden und haben in den Pandemiejahren, insbesondere in den Jahren 2020–2021, mit der Einführung der COVID-19-Kodierung erheblich zugenommen. Durch die Neuklassifizierung hat sich die Zahl der Todesfälle, bei denen COVID-19 als Grundursache angegeben wurde, fast verdoppelt. Umgekehrt führte die Berücksichtigung von Multimorbidität unter Gewichtung mehrerer Todesursachen zu einer Verringerung der COVID-19-Belastung um etwa die Hälfte bis zwei Drittel.«
Tsokos hat auch diese Problematik ebenfalls im Jahr 2022 angesprochen. Gegenüber der »Berliner Zeitung« gab er folgende Auskunft: »Wenn auf dem Leichenschauschein steht, er ist an Corona gestorben, dann kann, wenn das zu Hause und nicht in der Klinik unter maximaler Diagnostik passierte, keiner nachschauen, ob es nicht vielleicht in Wirklichkeit ein Herzinfarkt war.«
Die Studienautoren beschreiben die oben angeführte Übererfassung der Corona-Todeszahlen wie folgt: »COVID-19 ist ein klassisches Beispiel dafür, dass fast alle Todesfälle bei Vorliegen schwerwiegender Begleiterkrankungen auftraten und dass mehrere Begleiterkrankungen in einem engen Zusammenhang mit tödlichen Verläufen bei SARS-CoV-2-Infektionen standen . Es ist daher möglich, dass die WHO-Vorgaben, die (ähnlich wie in anderen Ländern) auch in die US-amerikanischen Regeln zur Neuklassifizierung der Sterbeursachen einflossen, die Zahl der COVID-19-Todesfälle deutlich überschätzt haben.«
In Deutschland unterscheidet das Bundesamt für Statistik zwischen Grundleiden und Begleiterkrankungen. Im Jahr 2021 kam es zu 71.331 Todesopfern durch das Coronavirus. Dabei wurden explizit Todesfälle augeschlossen, bei denen »Covid-19 von der leichenschauenden Ärztin oder dem leichenschauenden Arzt auf dem Totenschein als Begleiterkrankung dokumentiert wurde«. Das RKI kommt für den gleichen Zeitraum aufgrund einer anderen Zählweise auf 73.215 Todesfälle. Das macht ungefähr sieben Prozent aller Verstorbenen aus. Knapp 340.000 Menschen starben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Im Jahr 2024, also nachdem er nicht mehr bei der Berliner Charité arbeitete, äußerte sich der Rechtsmediziner Michael Tsokos recht deutlich zur Klassifizierung der Corona-Toten: »Dass alle zu den Corona-Toten gezählt wurden, die zum Todeszeitpunkt zwar „Corona positiv“ waren, aber bei einem Verkehrsunfall starben oder auch ertrunken sind, ist ja schon völlig irrsinnig. Man hätte einen klaren Blick dafür haben müssen, ob mit oder an – das hatte die Politik bewusst nicht. Es sollten die Zahlen erhöht werden.«
Diese angedeutete Erhöhung hat durch die Studie der vier Wissenschaftler nun zumindest für die USA eine klarere Größenordnung erhalten. Etwa die Hälfte der sogenannten Corona-Toten ist tatsächlich an Corona gestorben. Eine ähnliche Analyse für Deutschland ist bis heute nicht erschienen.
2020-2021: https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/71/wr/mm7117e1.htm
2022: https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/72/wr/mm7218a4.htm
2023: https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/73/wr/mm7331a1.htm


Diese bewusste Desinformation zeigt die kriminelle Energie der WHO und ist ein peinliches Armutszeugnis für obrigkeitshörige Ärzte und staatliche Institutionen wie BMG, RKI und PEI